Parteien, Parteiorganisation, Gemeinwohl, partikulare Interessen | Ghostwriter-24, Ghostwriter, Akademischer Ghostwriter, Akademisches Ghostwriting

Politikwissenschaft: Eigen- und Gemeinwohl

In Parteien vereint sich ein Widerspruch, der seit in Mancur Olson besprochen hat, weitgehend in Vergessenheit geraten zu sein scheint. Parteien behaupten von sich, dem Gemeinwohl zu dienen, Mitglieder von Parteien werden durch ein gemeinsames Interesse vereint, das sie ebenfalls als Gemeinwohl bezeichnen. Dennoch hat jedes Mitglied in einer Partei ein Individualinteresse. Wie die drei unterschiedlichen Ebenen von Interesse bei Parteien zusammenspielen, ist ein Thema, das Olson in seinem Buch “Die Logik des kollektiven Handelns” bespricht.

“Selbstverständlich gibt es in jeder Gesellschaft, selbst in ganz stabilen und ausgeglichenen Gruppen, ummer irgendein ideologisch orientiertes Verhalten. In den USA [und nicht nur dort] ist ein derartiges Verhalten zur Zeit bei den politischen Parteien zu beobachten.

[…]

Entscheidend hierbei ist, dass der Durchschnittsbürger im allgemeinen nciht bereit sein wird, der von ihm bevorzugten Partei ein spürbares Opfer zu bringen, denn durch den Sieg seiner Partei wird ja ein Kollektivgut bereitgestellt. Er wird weder Beiträge in die Parteikasse zahlen, noch Bezirksversammlungen besuchen. Auf der anderen Seite gibt es viele Menschen, die politische Ambitionen haben, und diesen bietet die Partei nicht-kollektive Vorteile in Form eines öffentlichen Amtes. Da in den Vereinigten Staatn 700000 Staatsbeamte gewählt werden, ist diese Gruppe recht bedeutend. Außerdem unterstützen viele Geschäftsleute die politischen Parteien, um dann bei wichtigen, ihre Unternehmung betreffenden Fragen persönliche Beziehungen zu Staatsbeamten zu haben.

Demgegenüber weisen die ‘Partei-Apparate’ feste organisatorische Strukturen auf. Jedoch arbeiten nicht die ‘Partei-Apprate’ für Kollektivgüter. Bestenfalls sind sie an Gönnern interessiert und schlimmstenfalls geradezu an Bestechungsgeldern. Diejenigen, die in den einzelnen Bezirken für den Parteiapparat arbeiten, wollen gewöhnlich eine Stellung im Rathaus bekommen; und jeder Partei-Schreiberling weiß, dass er keine Stelle bekommt, wenn er nichts für den Partei-Apparat tut. Die Partei-Apparate können also gut durchgebildete Organisationsstruktruen entwickeln, weil sie vorwiegend um Vorteile kämpfen, die eher Einzelnen zugute kommen, als dass sie im Gesamtinteresse der großen Gruppe liegen. Es ist gewiß bezeichnend, dass ‘Organisation’ im Sprachgebrauch der amerikanischen Parteipolitik häufig als Synonym für ‘Partei-Apparat’ verwendet wird, und von einem ‘Partei-Apparat’ wird angenommen, dass er hauptsächlich für die individuellen Vorteile arbeitet, die er für seine Mitglieder erringen kann” (Olson, Logik des kollektiven Handelns, S.160-163).